Start 5. Richtig lüften - gesund leben

Information Nr. 5: Richtig Lüften und Heizen

Schimmel-Ambulanz

Gesundes Wohnen – Energie sparen? Falsches Energiesparen

ohne ausreichenden Frischluftwechsel macht krank!


Gesundheitsexperten müssen sich dringend mit dieser Frage beschäftigen, denn Energie- und Baufachleute sowie Politiker haben nicht beachtet, dass der erforderliche Frischluftwechsel in den letzten Jahrzehnten auf bis zu 1/40 (2,5%) reduziert wurde! Die DIN 4108-2 fordert: „Auf ausreichenden Luftwechsel ist aus Gründen der Hygiene, der Begrenzung der Raumluftfeuchte...“ zu achten.

Lösungen bietet eine neue DIN 1946-6 (5.09): Danach muss bei Neubauten und Sanierungen ein dauerhafter Frischluftwechsel von 0,5 pro Stunde gewährleisten sein. Da einem Mieter in der Regel nur ein zweimaliges Stosslüften pro Tag abverlangt werden kann, müssen Planer wie Handwerker ein Lüftungskonzept vorlegen. Dies bedeutet meist den Einbau einer nutzerunabhängigen Lüftungsanlage zum Zweck einer kontrollierten Lüftung.


In immer mehr Wohnungen treten Schimmel- und Schadstoffprobleme auf, die zu gesundheitlichen Problemen und rechtlichen Auseinandersetzungen führen.

  • Ein zu geringer Luftwechsel führt zu einer hohen Raumluftfeuchte.
  • Statt an der Einfachverglasung entsteht Kondensfeuchte an anderen „Wärmebrücken“: Außenwände/-ecken, insb. an Kontaktbereichen zu Kellern, Dachböden, Balkonen.
  • Kunststofftapeten, -anstriche und -paneele sowie Laminatböden verringern den notwendigen Feuchtigkeitsausgleich mit Umgebungsflächen.
  • Bei zu geringen Lüftungsmöglichkeiten im Bad bei heute üblichem regelmäßigem Duschen verteilt sich sofort die Feuchte in der ganzen Wohnung und wird nicht ausreichend abgebaut. Die relative Luftfeuchte ist zu hoch. Vor ca. 50 Jahren wurde in den gleichen Häusern 1 Mal die Woche gebadet!

Grundsätzlich lassen die bisherigen Erkenntnisse den Schluss zu, dass unter den gegebenen baulichen Bedingungen in Gebäuden außerhalb der Nutzungszeiten praktisch kein Frischluftwechsel stattfindet und sich Schadstoffemissionen so durch Kontaminationen in anderen Materialien (Möbeln, Auslegeware, usw) "aufschaukeln" und dann zu Sekundärquellen werden. Dann sind auch die häufig geforderten einzelnen Stoßlüftungen wirkungslos, weil die Raumluftkonzentrationen schon wenige Minuten nach Lüftungsende im Bereich einer zu hohen Ausgleichskonzentration liegen.
Ebenso kann sich die Kondensfeuchte an den Oberflächen von Wärmebrücken nicht mehr abbauen und führt dann zur Nässe im Putz und Wandaufbau in kritischen Bereichen.

Die Folgen:
Schimmel wächst häufiger und schneller, belastet die Luft und führt zu Atem- wegsproblemen, Kopfschmerzen, Schwindel. Dies gilt leider insbesondere für Kinder!
Achtung: Jeder Schimmelbefall muss konsequent entfernt werden, denn auch von trockenen und abgestorbenen versteckten Mikroorganismen gehen Gesundheitsgefahren aus. Der Einsatz von (oft gefährlichen) Desinfektionsmitteln und das Überstreichen reicht nicht aus. Eine Desinfektion von Restbelastungen auf Oberflächen ist mit 70%-igem Alkohol möglich.

A) Grundsätzliches:
Empfehlungen zur Vermeidung von Schimmel und zur Reduzierung von Schadstoffen:

  • Wände und Decken dürfen nicht mit Dampf bremsenden Materialien (Kunststofftapeten bzw. -verkleidungen, Anstrichen, usw.) abgesperrt werden.
  • Kritische (kalte) Außenwände dürfen nicht mit Paneelen, Gipskarton oder Isoliertapeten verkleidet werden. Man sollte grundsätzlich auf Tapeten und Gipsmaterial (zieht Feuchte und schimmelt) verzichten. Verwenden Sie z.B. nur eine Silikatfarbe.
  • Möbel müssen je nach Risiko 5 -20 cm Abstand zu Außenwänden haben.
  • Für eine Innendämmung kommt im Ausnahmefall nur eine Calcium-Silikat-Platte (sogenannte Klimaplatte) in Frage.
  • In der Küche muss ein Wrasenabzug (mit Abluft!) und im Bad ein Abluftventilator (automatisch geschaltet mit dem Licht (Nachlaufzeit!) oder Feuchtesteuerung) vorhanden sein.
  • Die Restfeuchte bei Neubauten muss über viele Monate ausgetrocknet werden.

Zur Selbst­kon­trol­le soll­ten in Wohn, Schlaf-  und Kin­der­zim­mer Hy­gro­me­ter zur Messung der re­la­ti­ven Luft­feuch­tig­keit eingesetzt werden:

Empfehlungen für Raumlufttemperatur
maximale relative Feuchte
Eß-, Wohn-, Kinderzimmer:
Schlafzimmer:
Küche:
Bad:
20–21°C
16–18°C
20°C
22°C
40–60%
45–65%
50–70%
50–70%

B) Die (theoretisch) optimale Stoßlüftung:
oft - kurz - kräf­tig (nach Bedarf 4 - 8 mal täg­lich) kann kaum jemand einhalten, aber Sie können Ihr Lüftungsverhalten optimieren:

  • Morgens nach dem Aufstehen, im Bad un­mit­tel­bar nach dem Du­schen und Baden in der Kü­che wäh­rend oder nach dem Ko­chen, abends vor dem Schla­fen­ge­hen
  • Wäh­rend der Stoß­lüf­tung ist mög­lichst auf ei­ne „Quer­lüf­tung“ zu ach­ten.
  • Trocknen Sie kei­ne Wä­sche in der Woh­nung.
  • Ver­zichten Sie auf Aqua­ri­um, Zimmerbrun­nen so­wie zu vie­le Blu­men.
  • Ent­fer­nen Sie überflüssige und hygienisch bedenkliche Luft­be­feuch­ter.
  • Er­gän­zend zur Einhaltung der Lüf­tungs­re­geln ist auf die Be­hei­zung zu ach­ten, denn nur in ge­heiz­ten Räu­men setzt der nö­ti­ge „Lüf­tungs­ef­fekt“ ein, d.h. der Ab­trans­port von zu ho­her Feuch­tig­keit. Zeit­lich und örtlich be­grenz­te Temperaturabsenkungen (z.B. von Tag zu Nacht oder von Wohn- zu Schlafzimmer) in­ner­halb ei­ner Woh­nung soll­ten ei­ne Dif­fe­renz von 3 bis 4°C  nicht über­schrei­ten.

C) Ergänzungen:
Da auch ein optimales Heizungs- und Lüftungsverhalten meist nicht reicht, muss häufig mit einfachen technischen Mitteln nachgeholfen werden:

  • Ein­bau von per­fo­rier­ten Dich­tun­gen oder Fensterfalzlüftungen, die ei­nen dau­er­haf­ten und in­ten­si­ve­ren Luftwech­sel bei ge­schlos­se­nen Fen­stern be­wir­ken.
  • Ein­bau ei­nes Fen­ster­fest­stel­lers, um - je nach Au­ßen­tem­pe­ra­tur - ei­ne unterschiedli­che Spaltlüf­tung von wenigen mm durch­zu­füh­ren.  Die­se Lüf­tungs­me­tho­de wird zwar oft  kritisiert, ist aber häu­fig un­verzicht­bar und führt nur zu re­la­tiv ge­ring er­höh­ten Heiz­ko­sten. Da­für wird aber der zwin­gend er­for­der­li­che Luft­aus­tausch er­reicht. Geben Sie lieber 100 Euro für Energie bzw. eine sinnvolle Lüftung als 1000 Euro für den Arzt aus!
  • Auch moderne Lüftungsanlagen erfordern Investitionen sowie laufende Kosten durch ständigen Filterwechsel und Strom, aber zukünftig wird sich der Einbau von kontrollierten Lüftungsanlagen nicht vermeiden lassen.

Der Nutzer muss und kann durch ein angepasstes Wohn-, Heizungs- und Lüftungsverhalten seinen Beitrag leisten.

Haben Sie noch Fragen? Fragen Sie die Schimmel- und Wohngiftambulanz Böge                                                                   

 

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